Freitag, 12. September 2008

Chaosphase Pubertät?

Ratschläge für Eltern

Ausprobieren, Scheitern, Grenzen sprengen - in der Pubertät formt sich die Persönlichkeit von jungen Menschen - ihre Körper verändern sich. Sie stecken zwischen Zwischen Angst und Neugierde. Freizeit, Liebe und Sex wird wichtiger als alles andere. Drei Ratgeber helfen weiter, damit Jugendliche und Eltern nicht verzweifeln.

In der Pubertät wird das Kind zum Erwachsenen, die Sexualität beginnt. Diese Übergangsphase ist häufig sowohl für Jugendliche als auch deren Eltern eine anspruchsvolle Zeit. Das ist auch kein Wunder, denn "man verlässt etwas, in dem man sich sicher fühlt und kommt in einen Bereich, den man nicht kennt", erklärt Dr. Gabriele Haug-Schnabel, Autorin des Buchs "Pubertät - Eltern-Verantwortung und Eltern-Glück".



Ein Ratgeber aus drei Perspektiven
Als Verhaltensbiologin beschäftigt sich Haug-Schnabel seit über 20 Jahren mit der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Als zweifache Mutter weiß sie aber auch, wie es ist, als Elternteil zu verzweifeln. Dennoch hat sie die Zeit der Pubertät auch als Mutter als eine lohnende Herausforderung erlebt, von der beide Seiten profitieren können. Um diese Erfahrung weiterzugeben, hat sie mit ihrem 22-jährigen Sohn ein Buch geschrieben. Der Ratgeber betrachtet die Pubertät aus dem Blickwinkel der Wissenschaftler und der Mutter - und zusätzlich aus der Perspektive des Sohnes.

In der Pubertät suchen junge Menschen nach neuen Betätigungsfeldern wie Musik oder Politik und entdecken ihre Sexualität. Die Kreativität und der Intelligenzquotient steigen an. Damit einher geht ein starkes Bedürfnis, alles zu hinterfragen und umkrempeln zu wollen, sagt Haug-Schnabel. Differenzen entstünden häufig dann, wenn die Interessen der Kinder von denen der Eltern abweichen.

Ein typisches Streitthema ist das Engagement in der Schule, da es häufig nachlässt, wenn andere Dinge viel spannender und wichtiger erscheinen. Die Schule sei für viele ein Zeitfresser - Zeit, "die man besser nutzen könnte, um zum Beispiel Mädchen kennen zu lernen", weiß Nikolas Schnabel.
Doch Konflikte mit dem Nachwuchs grundsätzlich zu vermeiden, sei falsch, denn "es muss einfach knallen", behauptet Haug-Schnabel. Junge Menschen bräuchten die Möglichkeit, Tabus brechen zu können. "Um seine eigene Persönlichkeit zu entwickeln, ist es wichtig sich abzugrenzen", führt die Wissenschaftlerin weiter aus.




Wann Eltern Vorbilder und Experten sein müssen
Wenn sich in der Pubertät die Körper verändern, entsteht früher oder später ein sexuelles Interesse. Lust und Neugierde auf der einen Seite sowie Unsicherheit und Angst zu versagen auf der anderen Seite können dabei ganz dicht beieinander liegen. Körper- und Sexualaufklärung gehören laut Haug-Schnabel deshalb bereits vor der Pubertät zur Elternpflicht. Doch nicht nur als Experten für Wissensfragen sind Mütter und Väter gefragt. "Als Frauen und Männer sind Eltern ausschlaggebende Aufklärungsmodelle in Sachen Geschlechterrollen, Schönheitsideale, Partnerschaft und Umgang mit Sexualität", ergänzt die Verhaltensbiologin.
Quelle: SWR.de

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