Dienstag, 29. Juli 2008

12 Tipps für den Flirt im Job


Liebe macht Arbeit. Manchmal funktioniert das auch andersherum. Nahezu jeder zweite Mann war schon einmal in eine Kollegin verliebt, so das Ergebnis einer Umfrage der Partnervermittlung Elitepartner. 31 Prozent davon allerdings nur heimlich. Frauen gehen dabei offenbar rationaler vor: Für 31 Prozent von ihnen ist Liebe am Arbeitsplatz tabu. Dennoch: 43 Prozent der Befragten gaben zu, sich schon einmal auf eine Beziehung mit einem Arbeitskollegen eingelassen zu haben.



Im europäischen Vergleich ist das nichts Ungewöhnliches: Fast 40 Prozent der europäischen Arbeitnehmer hatten bereits eine Affäre im Job, so eine Monster-Umfrage aus dem Jahr 2002. Besonders heißblütig ging es danach in Großbritannien und Irland zu: Dort hatten 41 Prozent der Befragten schon einmal eine Liaison mit einem Arbeitskollegen. Die Spanier hingegen entpuppten sich mit 29 Prozent als besonders flirtfeindlich.

Dabei hat die Büro-Liebelei durchaus Vorteile: Flirten mindert akuten Stress. Obendrein sind verliebte Mitarbeiter in der Regel besser gelaunt, engagieren sich stärker und übernehmen gerne Zusatzaufgaben, um länger in der Nähe des oder der Angebeteten zu sein. So kommen denn auch diverse Umfragen unter deutschen Personalchefs zu ähnlichen Ergebnissen: Das Gros hat keinerlei Bedenken bei Beziehungen innerhalb der Belegschaft.

Tatsächlich ist der Arbeitsplatz neben dem Freundeskreis und der Ausbildung die drittgrößte Partnerbörse. Bis zu 35 Prozent aller Ehen bahnen sich hier an. Denn hier findet zusammen, was zusammen passt: Interessen und Bildung der Kollegen ähneln sich häufig, zudem gibt es innerhalb von Abteilungen so etwas wie eine erzwungene Intimität: Die Teammitglieder geben zwischendurch Privates preis. Potenzielle Partner kaufen also nicht die Katze im Sack. Mit der Folge, dass hier angebahnte Beziehungen statistisch länger halten.




Wen Amors Pfeil im Büro trifft, sollte jedoch aufpassen. Büroflirts sind heikles Terrain – und damit meine ich nicht das Fummeln im Fahrstuhl, Kopulationen am Kopierer und Promiskuität statt Produktivität. Never fuck the company!, lautet ein Bonmot, das in beiden Bedeutungen wörtlich genommen werden darf. Allen selbst ernannten Schreibtisch-Casanovas und Herzensbrechern auf der Pirsch sollte klar sein, dass ihre Avancen arbeitsrechtlich nicht ungefährlich sind. Schlimmstenfalls riskieren sie damit eine Anzeige wegen sexueller Belästigung oder (bei Wiederholungstätern) gar ihre Kündigung.

Ein paar Beispiele: Wer sich etwa einer Kollegin oder einem Kollegen körperlich nähert und grabscht (ohne das der das will), muss mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen rechnen. So legte zum Beispiel ein zuvor unbescholtener Ausbilder ungefragt seinen Arm um eine Kollegin, die das nicht wollte – Abmahnung! (Landesarbeitsgericht Hamm, 17 SA 1544/96). Ein Verkäufer wiederum betatschte eine Kollegin regelmäßig trotz deren Gegenwehr an Hüfte und Rücken – fristlose Kündigung! (Arbeitsgericht Frankfurt am Main, 15 CA 7402/01). Natürlich sind das extreme Beispiele und solche Mittel werden auch oft erst angewandt, wenn feststeht, dass der oder die Betroffene klar erkennbar die Anzüglichkeiten abgelehnt hat. Bei einem Reiseleiter, der eine Diensttour überraschend zum Techtelmechtel mit einer Kollegin nutzte, reichte es deshalb nicht zum Rauswurf (Bundesarbeitsgericht, 2 AZR 341/03). Jobverlust droht aber auch bei Liebesbriefen. Wer seine sexuellen Aufforderungen mit obszönen Witzchen garniert, zu Papier bringt und das Ganze an Kollegen verschickt, stört nach Meinung der Gerichte den Betriebsfrieden und kann rausfliegen (Bundesverwaltungsgericht, 1 DB 5.96). Das gilt erst recht für Sexmails per SMS (Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, 9 SA 853/01). Also: Vorsicht bei allzu aggressivem Flirten!

Und die Alternativen? Inzwischen findet man im Internet allerhand Flirttipps. Die meisten eignen sich jedoch ausschließlich für Avancen am Ausgehabend, nicht jedoch fürs Büro. Deshalb für alle, deren Hormonspiegel gerade durch das aktuelle Wetter-Hoch in Wallung geraten ist, zwölf unverfängliche Tipps für den Büroflirt:



Freundschaft. Bevor Sie jemanden anflirten, sollten Sie versuchen, ihn wirklich kennenzulernen. Nichts wirkt so anziehend wie aufrichtiges Interesse an der eigenen Person. Gerade Männer machen den Fehler, beim Flirten viel zu ungeduldig zu sein. Den umgarnten Frauen wird dann schnell klar, dass es den Männern nur darum geht, etwas zu bekommen (Anerkennung oder Sex zum Beispiel). Sie fühlen sich wie eine Trophäe in spe. Nicht gerade erstrebenswert. Lernen Sie sich lieber richtig kennen. Das hat zugleich den Vorteil, dass Sie so vielleicht herausfinden, dass Sie den oder die Angebetete(n) zwar unglaublich attraktiv finden, sich jedoch nichts zu sagen haben.

Amüsieren. Lachen verbindet. Menschen, die uns unterhalten, finden wir sofort sympathisch. Sie reißen uns aus dem Alltagsgrau heraus, heben die Laune und erspüren subtil Gemeinsamkeiten. Über welche Witze wir lachen, zeigt schließlich indirekt, was wir gut finden und was nicht. Dennoch sollten Sie Ihren Humor zügeln: Sex-Witze sind tabu, schwarzen Humor finden nicht alle lustig und über Kalauer, wie Treffen sich zwei Gedichte. Sagt das eine zum anderen: Vorsicht, du hast da was zwischen den Zeilen… können manche allenfalls Schmunzeln. Im Zweifel wählen Sie lieber einen Meta-Witz. Etwa den witzigsten Witz der Welt. Den hat der britische Psychologe Richard Wiseman ermittelt. Über ein Jahr lang wurden rund 40.000 Witze von Internetnutzern aus 70 Ländern gesammelt und anschließend bewertet.
Heraus kam ein Witz mit der globalsten Akzeptanz:
Zwei Jäger im Wald. Plötzlich bricht einer der beiden zusammen. Er atmet kaum noch. Sofort zückt der andere Jäger sein Handy und wählt den Notruf: „Mein Freund ist tot! Was soll ich tun?“ Darauf der Mann in der Notrufzentrale: „Beruhigen Sie sich! Versichern Sie sich erst einmal, dass er tatsächlich tot ist.“ Stille – dann ein Schuss. Dann wieder der Jäger: „Ok, was jetzt?“

E-Mails. Studien zeigen: Die gängigsten Flirt-Formen sind freche E-Mails und Notizen mit zweideutigem Inhalt. Gefährlich! Was Sie verschicken, ist automatisch dokumentiert und kann damit juristisch gegen Sie verwendet werden. Wählen Sie also ausnahmslos harmlose Formulierungen und machen Sie nur neutrale Komplimente. Richtig: „Ihre Präsentation im Meeting vorhin war einfach großartig! Sie waren durchweg kompetent. Ihre Stimme fand ich übrigens bezaubernd.“ Falsch: „Sie haben bei Ihrer Präsentation heute eine tolle Figur gemacht. Auch in Ihrem Kostüm. Sexy!“

Komplimente. Apropos: Jeder – ob Mann oder Frau – liebt Komplimente. „Der Schmeichelei gehen auch die Klügsten auf den Leim“, wusste schon der Dramatiker Molière. Rund 300 Jahre später stellte der Tiefenpsychologe Sigmund Freud fest, dass sich der Mensch wohl gegen Angriffe wehren könne, gegen Lob aber „machtlos“ sei. Nur: Dieses sollte nie ins Anzügliche abdriften. Jede Anzüglichkeit ist eine zu viel. Loben Sie lieber die Qualität der Arbeit oder spenden Sie Trost bei Stress. Es ist ein Irrglaube, dass sexuelle Anspielungen schneller zum Ziel führen. Das Gegenteil ist der Fall: Wer den anderen intelligent umgarnt, ohne dabei seine Absichten durchblicken zu lassen, spielt mit dessen Phantasie. Suggestion ist bei der Verführung alles. Sie ist ein Spiel, bei dem man seine wahren Absichten nie offenbart. Stattdessen geht es darum, das Objekt seiner Begierde immer wieder zu faszinieren, zu verwirren, zu unterhalten.

Helfen. Bieten Sie Ihre Mithilfe bei einem Projekt an. Erstens, weil das eine kollegiale und unverfängliche Geste ist; zweitens, weil Sie so viele Gelegenheiten schaffen, sich zu begegnen, zu unterhalten und näher zu kommen.

Essengehen. Fragen Sie den oder die Verehrte(n) doch einfach, ob er/sie einmal mit Ihnen zusammen Mittagessen geht. Das ist eine relativ harmlose und im Jobumfeld übliche Offerte – erst recht, wenn Sie einen beruflichen Anlass finden: etwa, um ein gemeinsames Projekt zu besprechen. Und falls Sie anfangs zu schüchtern sind oder nicht gleich alles durchblicken lassen wollen, nehmen Sie einfach ein paar Kollegen mit. Ein guter Freund kann sich ja vor dem gemeinsamen Kaffee aus einem wichtigen Grund vorzeitig aus der Runde verabschieden.


Diskretion. Belästigung beginnt da, wo Sie ein Nein nicht mehr akzeptieren. Antwortet er oder sie auf die Frage, ob Sie beide mal essen oder einen Kaffee trinken wollen, abweisend, dürfen Sie gerade noch fragen, ob Sie die Einladung vielleicht nächste Woche wiederholen dürfen. Wird das auch abgelehnt, sollten Sie die Versuche einstellen und die Entscheidung akzeptieren. Druck macht alles nur schlimmer.

Kaffeetrinken. Jemandem eine Tasse heißen Kaffee zu servieren (Motto: „Als kleine Aufmunterung für den Tag“) ist nicht nur aufmerksam, sondern auch eine fürsorgliche Geste, mit der vor allem Männer punkten können (Frauen aber auch). Die volle Punktzahl erreicht freilich, wer vorher recherchiert, wie der- oder diejenige ihren Kaffee mag: mit Milch, ohne Zucker? Oder ob er/sie gar Tee (Grünen? Schwarzen?) bevorzugt. Geduldige Profis machen daraus mit der Zeit ein wöchentliches Ritual: den Mittwoch-4-Uhr-Kaffee.

Abstand. Achten Sie auf körperliche Signale, aber halten Sie zunächst Distanzzonen ein. Physische Annäherungsversuche können (und werden meist) als Grabschen ausgelegt werden. Denken Sie auch an den Kollegen-Tratsch! Interpretieren Sie lieber zunächst die nonverbalen Botschaften Ihres Gegenübers: Üblicherweise stehen Menschen, die sich noch nicht gut kennen, in Form eines „V“ zueinander, also leicht in den Raum geöffnet. Finden sie sich anziehender, geht die Form in ein „U“ über – sie stehen sich jetzt parallel gegenüber, für Außenstehende ein klares Signal: Wir wollen unter uns bleiben. Kommt es dann noch zu flüchtigen Berührungen – etwa Hände, die sich zufällig treffen – ist das ein starkes Sympathie-Signal. Aufschlussreich ist übrigens ebenso die sogenannte Spiegel-Technik: Ahmen Sie unauffällig die Körpersprache Ihres Gegenübers nach und achten Sie darauf, ob er/sie dasselbe mit seinen Gesten tut. Menschen, die sich mögen, synchronisieren unbewusst ihre Mikrogesten, wie Haarezupfen, Nasereiben, Glas zum Trinken heben.

Fragen. Flirten heißt, den anderen ernst nehmen. Und was wirkt stärker, als jemanden um Rat oder nach seiner Meinung zu fragen? Vorteil zwei: Wenn Sie Fragen stellen oder sich nach der Meinung des anderen erkundigen, haben Sie hinterher ein gutes Anschlussthema. Sobald Männer sich für Frauen interessieren, beginnen Sie in der Regel damit, sich aufzuplustern und zu prahlen. Zuhörer haben mehr Erfolg. Natürlich sollten Sie auch keine dämlichen Fragen stellen, wie „Wo legt man hier das Kopierpapier ein?!“ Umgekehrt sollten Frauen nicht in die Mäuschen-Falle tappen: Wenn Sie sich klein machen, wecken Sie vielleicht seinen Beschützer-Instinkt; geht der Flirtversuch jedoch fehl, nimmt er Sie danach nicht mehr ernst.

Blickkontakt. Sehen Sie dem anderen möglichst lange in die Augen – nicht ins Dekolletee! Das sagt in jedem Fall, dass Sie interessiert sind und mehr als viele Worte. Nur bitte nicht übertreiben! Ein allzu intensiver bis starrender Blick wirkt aggressiv und schreckt ab. Besser: lächeln. Lächelt er/sie zurück, ist er/sie dem Flirt nicht abgeneigt.

Hierarchie: Obacht bei Kolleg(inn)en, die in der Hierarchie unter Ihnen stehen. Sexuelle Belästigung hat häufig etwas mit Macht zu tun. Deshalb kann jede intensivere Freundlichkeit von Untergebenen als Belästigung ausgelegt werden.

Test. Zum Schluss noch ein kleiner Selbsttest: Was Sie beim Flirten im Büro beachten sollten. Viel Spaß!

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